VKI: EU-weite Aktion gegen Greenwashing im Energiesektor

Wien (OTS) – Strom, Gas, Heizöl: Viele Energieunternehmen stellen
ihre Produkte
als „grün“, „nachhaltig“ oder „klimaneutral“ dar, während weiter
stark auf fossile Energien gesetzt wird. Dem soll nun ein Riegel
vorgeschoben werden. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) und
elf weitere europäische Verbraucherorganisationen haben unter der
Federführung des europäischen Dachverbandes BEUC (Bureau Européen des
Unions de Consommateurs) eine Beschwerde bei der Europäischen
Kommission gegen Werbeaussagen von Shell, Total Energies, Eni
Plenitude sowie weiterer Anbieter eingereicht. Die Europäische
Kommission und die Consumer Protection Cooperation (CPC) werden
aufgefordert, eine Untersuchung einzuleiten. Nach Ansicht der BEUC
stehen die vermeintlich „grünen“ Werbebotschaften dieser
Energieanbieter nicht im Einklang mit den EU-Vorschriften zu
unlauteren Geschäftspraktiken.

Umfassende Analyse „grüner“ Werbebotschaften

„In einer groß angelegten Untersuchung wurden über einen Zeitraum
von mehr als einem Jahr Werbebotschaften von Energiekonzernen
analysiert, die grüne Aussagen enthielten. In Österreich wurden unter
anderem Max Energy, Shell und Energie Direct sowie die Salzburg AG
unter die Lupe genommen“, erläutert VKI-Greenwashing-Experte Raphael
Fink. „Die Analyse zeigt: Greenwashing ist in der Energiebranche kein
Einzelfall, sondern hat System. Die Untersuchung identifizierte
unterschiedliche Greenwashing-Muster, die Nachhaltigkeit suggerieren.
Dadurch wird es für Konsument:innen jedoch schwieriger, tatsächlich
nachhaltige Entscheidungen zu treffen.“

Greenwashing-Muster der Energiebranche

Vage „grüne“ Aussagen: Hier werden Begriffe wie „nachhaltig“,
„umweltfreundlich“ oder „grüne Energie“ ohne belegbare Grundlagen
eingesetzt. So suggeriert etwa der Zusatz „Eco“ bei „Shell Heizöl
Eco“, das etwa von EnergieDirect vertrieben wird,
Umweltfreundlichkeit, obwohl es sich um fossiles Heizöl handelt.

CO2-Kompensation als Feigenblatt: Gas oder Heizöl wird als
„klimaneutral“ beworben, da die entstehenden Emissionen angeblich
durch Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden. Dies ist eine
umstrittene Praxis, die ein falsches Verständnis der tatsächlichen
Klimawirkung vermitteln kann. Beispiel Max Energy („Plant for the
Planet“): Fossile Emissionen („Klimaneutrales Erdgas”) werden als
kompensiert dargestellt, obwohl sie real entstehen und nicht physisch
neutralisiert werden.

Der „Heiligenschein-Effekt“: Einzelne nachhaltige Aspekte werden
hervorgehoben, der Gesamtzusammenhang aber verschwiegen. Beispiel
„Shell Heizöl Eco“: Ein kleiner Umweltvorteil (schwefelarm) lässt das
gesamte fossile Produkt nachhaltiger erscheinen.

Nachhaltige Optionen: Nachfrage gegeben

Dass nachhaltige Optionen für viele Konsument:innen ein
relevantes Thema sind, zeigt etwa eine Umfrage der BEUC aus dem Jahr
2023, die in 16 Ländern – darunter auch Österreich – mit jeweils
1.000 Befragten durchgeführt wurde. 79 Prozent der Befragten gaben
an, umweltfreundlicher leben zu wollen und verstärkt auf nachhaltige
Versprechen zu achten.

„Gleichzeitig nutzen Energieanbieter zunehmend vermeintlich
,grüne‘ Aussagen. Diese sind aber insofern problematisch, da sie
Konsument:innen zu einer falschen Wahl verleiten können, für
vermeintlich ,grüne‘ Angebote womöglich mehr bezahlt wird und
insgesamt der Umstieg auf tatsächlich nachhaltige Lösungen erschwert
wird“, umreißt Raphael Fink die Problematik. „Daher ist es aus
unserer Sicht ein wichtiger Schritt, diese Praktiken den europäischen
Behörden zu melden, damit problematische ,grüne“ Aussagen und
schmutzige Werbepraktiken künftig unterbunden werden.“

Greenwashing melden – 5 Jahre Greenwashing-Check

Auch Konsument:innen können potenzielles Greenwashing von
Unternehmen melden: Der Verein für Konsumenteninformation hat vor
mehr als fünf Jahren das Projekt „Greenwashing-Check“ gestartet.
Bislang wurden über 250 Meldungen zu potenziell irreführenden
„grünen“ Aussagen von Unternehmen geprüft und gegebenenfalls
rechtliche Schritte eingeleitet. Weitere Informationen zu diesem
Projekt gibt es auf: www.vki.at/greenwashing .

SERVICE: Weitere Informationen zur Beschwerde, einen
vollständigen Überblick über erhobene Greenwashing-Muster und die
BEUC-Studie aus dem Jahr 2023 gibt es auf www.vki.at/greenwashing-
energieanbieter .