Wien (OTS) – 1.400 im März/April befragte österreichische Unternehmen
des
Mittelstandes haben folgendes beantwortet:
– Preisauftrieb durch Iran-Krieg spiegelt sich bald wieder,
Inflationsängste sind zurück.
– Jedes 5. Unternehmen rechnet mit Rückgängen bei den Aufträgen.
– Schlechte Ertragslage führt zu sinkender Eigenkapitalquote.
– Immer weniger Investitionen.
– 79% fordern Bürokratieabbau.
– 60% beurteilen die Wirtschaftspolitik negativ.
Zwtl.: Konjunkturelle Trendwende vorerst ausgeblieben
Die Stimmung im heimischen Mittelstand bleibt insgesamt
verhalten. Das zeigt die aktuelle Frühjahrsumfrage von Creditreform
unter ca. 1.400 mittelständischen Unternehmen in Österreich. Demnach
liegt das Creditreform Geschäftsklimabarometer für den Mittelstand
mit minus 3,8 Punkten weiterhin im negativen Bereich, hat sich jedoch
leicht von den Tiefständen der Vorjahre erholt. Für einen positiven
Indexwert reicht es bislang aber noch nicht.
„Die österreichische Wirtschaft befindet sich in einer Phase der
fragilen Stabilisierung. Zwar sind erste Erholungszeichen erkennbar,
doch dominiert weiterhin die Unsicherheit – insbesondere aufgrund des
Nahostkonflikts und steigender Energiepreise. Die erhoffte
konjunkturelle Trendwende lässt weiter auf sich warten“ , sagt
Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband
Creditreform. Im Mittelstand ist ein nachhaltiger Aufschwung bislang
jedoch ausgeblieben und die aktuelle Geschäftslage wird weiterhin
überwiegend negativ beurteilt.
Zwtl.: Mehr als ein Drittel berichtet von sinkenden Aufträgen
Die Auftragslage war in den vergangenen Monaten erneut von
Rückgängen geprägt: 35,4% der befragten Unternehmen verzeichneten
sinkende Auftragsbestände und lediglich 13,9% meldeten Zuwächse. Auch
die Umsatzentwicklung leidet weiterhin unter den Folgen der
Rezession. Nur 14,9% der Unternehmen berichteten von
Umsatzsteigerungen – ein im historischen Vergleich niedriger Wert.
Gleichzeitig verzeichneten 36,1 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge
Zwtl.: Wirtschaftsaufschwung bleibt fragil
Die Einschätzungen der Unternehmen lassen auch für die kommenden
Monate keinen kräftigen Aufschwung erwarten. In allen
Wirtschaftssektoren sind die Geschäftserwartungen negativ, besonders
ausgeprägt im Bauwesen. „Im heurigen Jahr dürften die Auswirkungen
des Nahostkonflikts das Wirtschaftswachstum dämpfen und die
Geschäftserwartungen im Mittelstand bleiben verhalten. Zwar haben sie
sich im Vergleich zum Vorjahr etwas aufgehellt, insgesamt überwiegt
jedoch weiterhin der Pessimismus“ , erklärt Weinhofer.
Im Mittelstand rechnen 17,3% der Befragten in den nächsten
Monaten mit steigenden Auftragseingängen, während 21,3% Rückgänge
erwarten (i.e. negativer Saldo von 4,0 Prozentpunkten, siehe Abb. 2).
Der Anteil der Pessimisten ist damit zwar gesunken, dennoch bleiben
positive Erwartungen die Ausnahme. Nur im Dienstleistungssektor
überwiegen mehrheitlich steigende Auftragserwartungen.
Die Umsatzerwartungen zeigen eine leichte Aufhellung: 19,6% der
Unternehmen rechnen im nächsten halben Jahr mit steigenden Umsätzen.
Gleichzeitig erwarten weiterhin 21,3% einen Rückgang – im Vorjahr
waren es noch rund 30 Prozent. Insbesondere im Handel und im
Dienstleistungssektor überwiegen inzwischen die positiven
Erwartungen.
Weinhofer warnt jedoch: „Einen kräftigen Aufschwung wird es 2026
wohl nicht geben. Die wirtschaftliche Dynamik dürfte deutlich
schwächer ausfallen als erwartet. Auch eine Phase der Stagnation ist
nicht auszuschließen.“ Vor allem im Bauwesen und im Verarbeitenden
Gewerbe bleiben die Umsatzerwartungen pessimistisch.
Zwtl.: Inflation zieht an
Die Preisdynamik dürfte in den kommenden Monaten wieder etwas
zunehmen. 22,0 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen
Preiserhöhungen – im Vorjahr hatten dies 19,1 Prozent der Befragten
angekündigt. Weniger als jeder zehnte Betrieb (9,4 Prozent) plant
hingegen Preissenkungen. Aufgrund gestiegener Rohstoffkosten dürfte
die Inflationsrate erneut über der Zielmarke der Europäischen
Zentralbank (EZB) von rund zwei Prozent liegen.
Steigende Preise zeichnen sich vor allem im Bauwesen ab. Knapp 30
Prozent der befragten Bauunternehmen planen Preiserhöhungen – fast
doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch im Handel werden
Preiserhöhungen erwartet. 27,4 Prozent der befragten Unternehmen
beabsichtigen, ihre Preise anzuheben. Auch dieser Anteil liegt über
dem Vorjahreswert (21,5 Prozent). Im Verarbeitenden Gewerbe dürften
die Angebotspreise in den kommenden Monaten hingegen weniger stark
steigen.
Zwtl.: Beschäftigungsplus bleibt aus
Die Personalplanungen im Mittelstand haben sich erstmals seit
zwei Jahren leicht verbessert. Kurzfristig ist jedoch weiterhin nicht
mit steigenden Beschäftigtenzahlen zu rechnen. Zwar planen 13,1% der
Unternehmen einen Personalaufbau, gleichzeitig beabsichtigen aber
16,3% einen Stellenabbau. Im vergangenen Winterhalbjahr setzte sich
der Personalabbau fort: 29,2% der Unternehmen meldeten einen Rückgang
der Beschäftigtenzahl,
während nur rund jedes zehnte Unternehmen (10,1%) zusätzliche Stellen
schuf. „Die verhaltenen Konjunkturaussichten bleiben ein wesentliches
Hemmnis für eine stärkere Personalnachfrage. Viele Unternehmen
agieren bei Neueinstellungen weiter sehr zurückhaltend“, so
Weinhofer.
Zwtl.: Investitionen auf niedrigem Niveau
Angesichts unsicherer Rahmenbedingungen und erschwerter
Finanzierungsbedingungen verhalten sich die Unternehmen abwartend.
Nur 30,9% der befragten Betriebe planen Investitionen – deutlich
weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und der
zweitschlechteste Wert seit 1996. 2/3 davon planen aber nur
Ersatzinvestitionen. Besonders im Bauwesen sind die
Investitionsabsichten stark zurückgegangen.
Zwtl.: Eigenkapitalbasis unter Druck
Die Eigenkapitalsituation im Mittelstand hat sich zuletzt
verschlechtert. Schwache Erträge bremsen den Kapitalaufbau, während
Verluste teilweise durch Eigenkapital gedeckt werden müssen. Der
Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen ist dadurch gestiegen: 20,1%
verfügen über eine Eigenkapitalquote von höchstens 10%. Gleichzeitig
weisen nur noch 40,8% der Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über
30% auf. „Die schwache Ertragslage ist ein wesentlicher Treiber
dieser Entwicklung. Sinkende Eigenkapitalquoten schwächen die
wirtschaftliche Substanz der Unternehmen und Liquiditätsengpässe
müssen zunehmend über Fremdfinanzierung ausgeglichen werden“ ,
erläutert Weinhofer.
Zwtl.: Wirtschaft fordert Bürokratieabbau
Als wichtigste wirtschaftspolitische Themen nennt der Mittelstand
den Bürokratieabbau (79,0%), gefolgt von den Energiekosten (64,2%)
und dem Fachkräftemangel (59,8%). Die Dringlichkeit des
Bürokratieabbaus hat sich gegenüber dem Vorjahr weiter erhöht. Auch
die Bedeutung der Inflation hat zugenommen: 56,8% der Unternehmen
sehen sie als zentrales Problem und fordern mehr Engagement der
Wirtschaftspolitik.





