Historisches Deckenfresko im Jesuitensaal wird restauriert

Wien (OTS) – In acht Metern Höhe ist man der Malerei von Anton
Hertzog und Franz
Anton Danne so nah wie nie. Seit März restauriert Jörg Riedel das
beeindruckende Deckenfresko im Jesuitensaal des künftigen “Q. Dein
Raum für Wissenschaft” in der Wollzeile. Pünktlich zum
Internationalen Tag des Denkmals (18. April) ist die Fertigstellung
in Sicht. Der älteste Theatersaal Wiens zeigt sich damit wieder in
alter Pracht.

„Wenn man ein Werk erneut restauriert, ist es auch für einen selbst
an der Zeit zu gehen – alte Weisheit unter Restaurator*innen“,
erzählt Jörg Riedel. In seinem Fall verhält es sich anders: Bereits
als Student arbeitete er an dem Fresko des ehemaligen Collegium
academicum , auf Augenhöhe mit der dargestellten Maria, die in den
Himmel aufgenommen wird.

Als Teil eines internationalen Teams half er damals, die Decke des
Theatersaals in der Wollzeile konstruktiv zu sichern. Das Gebäude war
im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer beschädigt worden und
eindringende Feuchtigkeit hatte schwere Schäden verursacht.

Zwtl.: Fast 30 Jahre später: Restaurierung vollendet

In den 1990er Jahren installierte der damals junge Student an der
Seite seines Lehrmeisters ein komplett neues Aufhängungssystem, die
im Laufe der Zeit korrodierten Drahtbefestigungen wurden dabei durch
Polypropylenfasern ersetzt. Die Decke hat bis heute Bestand – das
bestätigte eine Begutachtung kurz vor der Übernahme des Gebäudes
durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die
Universität Wien und die Technische Universität Wien. Gemeinsam
entwickeln diese Institutionen hier ein neues Ausstellungshaus: Q.
Dein Raum für Wissenschaft. Die Bauarbeiten für die Modernisierung
werden von der Bundesimmobiliengesellschaft abgewickelt.

Vor der Eröffnung des Q galt es, jene Arbeiten abzuschließen, die in
den 1990er Jahren offengeblieben waren: das Retuschieren der
Kittungen von Fehlstellen ehemaliger Verschraubungen einer
zwischenzeitlichen Sicherung, die sich wie kleine, helle Flecken über
das gesamte Fresko verteilten. Neben dieser ästhetischen
Überarbeitung entfernte Jörg Riedel auch bauschädliche Salze, die
sich im Laufe der Zeit gebildet hatten. Seit März ist er dafür mit
Schwamm, Pinsel und Aquarellfarben im Einsatz. Das Fresko wird dabei
nicht „übermalt“, wie es in der Vergangenheit üblich war. Stattdessen
passt Riedel die Fehlstellen farbig an das Gesamtbild an. „Dazu
gehört auch die Schmutzpatina, die das Fresko aus dem 18. Jahrhundert
erst wirken lässt“, so Riedel. Unterstützt wird er dabei von seiner
Frau Julia Kolar, ebenfalls Restauratorin. „Allerdings nur in
Teilzeit“, ergänzt sie schmunzelnd, „das Arbeiten über Kopf geht auf
Dauer ganz schön in den Nacken.“

Die aufwändige Restaurierung hat sich gelohnt: Die Malerei von Anton
Hertzog und Franz Anton Danne konnte für kommende Generationen
gesichert werden. Unterstützt wurde die Konservierung von der
Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), dem Bundesdenkmalamt, der
Österreichischen Gesellschaft der Denkmalfreunde und den Jesuiten in
Wien.

Zwtl.: Neuer Raum für Wissenschaft, neue Zukunft für den Jesuitensaal

Das denkmalgeschützte Gebäude wird derzeit nach Plänen von Mohr
Niklas Architekten umgebaut und öffnet 2027 als Q seine Türen. „Wir
möchten die reiche Geschichte dieses Ortes bewahren und den Räumen
gleichzeitig eine neue Zukunft geben – mit Ausstellungen,
Veranstaltungen und Diskussionsformaten, die Wissenschaft und
gesellschaftliche Herausforderungen in den Mittelpunkt stellen“, sagt
Q-Gründungsdirektor Christopher Lindinger.

Pater Christian Marte SJ , Leiter der Jesuitengemeinschaft in Wien:
„Wissenschaft und Gesellschaft sind für uns Jesuiten bis heute
wichtige Anliegen. Darum freuen wir uns sehr, dass der Jesuitensaal
künftig dafür verwendet werden kann, besonders auch für junge
Menschen.“

Christa Pinz , Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft
der Denkmalfreunde: „Die Österreichische Gesellschaft der
Denkmalfreunde wurde als Freundesverein des Bundesdenkmalamtes
gegründet. Ihr Ziel ist die Erforschung und die Erhaltung des
Denkmalbestandes in Österreich und damit die Bewahrung vieler
kultureller Werte. Die Österreichische Gesellschaft der
Denkmalfreunde freut sich, die zeitgerechte Fertigstellung der
Restaurierung des Deckenfreskos mit einer Spende unterstützen zu
können.“

Text und Medien zum Download unter: https://www.qscience.space/presse

Q. Dein Raum für Wissenschaft. Ab 2027 stellen Besucher*innen im Q
ihre Fragen und kommen bei Ausstellungen, Events und Workshops über
Wissenschaft ins Gespräch. Getragen wird das Projekt von der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der Universität Wien
und der Technischen Universität Wien; unterstützt durch das
Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung sowie das
Bundesministerium für Bildung.