WK Wien Ruck: „Arbeit muss sich nicht nur lohnen, sondern auch auszahlen“

Wien (OTS) – Österreich ist innerhalb der EU ganz vorne dabei – und
zwar bei der
Teilzeitarbeit: Mit 31 Prozent verzeichnet unser Land die
zweithöchste Teilzeitquote in der Union. In Wien arbeiten besonders
viele Männer in Teilzeit, nämlich rund 20 Prozent – das sind fast
doppelt so viele wie in den anderen Bundesländern.

„Das wundert mich nicht, denn die Menschen können rechnen“, sagt
Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien: „In Österreich
wird Vollzeitarbeit diskriminiert.“ Wird die Arbeitszeit von Teilzeit
auf Vollzeit erhöht, steigt das Einkommen nicht im gleichen Ausmaß.
Das bedingt eine paradoxe Situation, konstatiert Ruck: Während die
Zahl der arbeiteten Menschen steigt, sinkt die Arbeitsleistung. „Mehr
Menschen arbeiten, das allerdings weniger.“ Im Durchschnitt ist die
geleistete Arbeitszeit pro Woche in Österreich auf unter 30 Stunden
zurückgegangen. „Es verwundert ebenfalls nicht, dass die Finanzierung
staatlicher Leistungen dadurch immer schwieriger wird. Ganz abgesehen
davon, dass unsere Unternehmen dringend qualifizierte Arbeitskräfte
brauchen, die auch bereit sind, Vollzeit zu arbeiten“, sagt Ruck.

Vollzeitarbeit aufwerten

Wie Ruck sagt, gelte es nun dagegenzuhalten: „Arbeit soll sich
nicht nur lohnen, sondern auch auszahlen. Das bedeutet,
Vollzeitarbeit muss attraktiver werden – auch finanziell. Sonst
bekommen wir ernsthafte, volkswirtschaftliche Probleme.“ Ruck schlägt
daher einen steuerlichen Absetzbetrag von „mindestens 1000 Euro pro
Jahr“ vor, um die Schere zwischen Teil- und Vollzeit zumindest ein
wenig zu schließen. Ruck: „Dadurch bleibt jenen, die mehr Stunden
arbeiten und daher im Vergleich zu Teilzeitkräften mehr ins System
einzahlen, etwas mehr Netto vom Brutto.”

Zudem sollten, so Ruck, einkommensabhängige Beihilfen, etwa für
Energie und Wohnen, so reformiert werden, dass sie bei einer Erhöhung
des Einkommens stufenweise sinken, anstatt gleich gänzlich zu
entfallen.