Gewalt in Mosambik: 1,6 Millionen Menschen in Not, Tausende auf der Flucht

Wien (OTS) – Seit fast einem Jahrzehnt herrscht in Cabo Delgado im
Norden
Mosambiks ein gewaltsamer Konflikt mit schweren Folgen für die
Zivilbevölkerung: Bewaffnete Gruppen greifen Dörfer an, wichtige
Infrastruktur wie Gesundheitszentren oder Schulen wird zerstört und
Familien vertrieben. Allein im Dezember des vergangenen Jahres
mussten mehr als 100.000 Menschen in der Region vor Angriffen
fliehen, viele davon bereits zum wiederholten Mal. Der Zugang zu
sauberem Wasser, Nahrung und Gesundheitsversorgung ist vielerorts
stark eingeschränkt. 1,6 Millionen Menschen im Norden Mosambiks sind
auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gemeinsam mit Partnerorganisationen
und mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union leistet
CARE Nothilfe für betroffene Familien.

Schlafen unter Bäumen, Wasser aus dem Fluss

Als die bewaffneten Angriffe in ihrer Heimat Cabo Delgado im
Norden Mosambiks zunahmen, packte Halima José ihre vier Kinder und
rannte los. Die 25-Jährige ließ Haus und Habseligkeiten zurück. „Ich
wollte nur das Leben meiner Kinder retten“, sagt Halima.

Wie viele Vertriebene fand Halima mit ihren Kindern Zuflucht in
Quissanga. Doch die Aufnahmegemeinschaften dort stießen schnell an
ihre Grenzen. Unterkünfte wurden knapp. Halima blieb nichts anderes
übrig, als mit ihren Kindern im Freien zu schlafen. „Wenn es regnete,
hatten wir keinen Ort, wo wir hingehen konnten. Meine Kinder waren
oft krank. Sie hatten Fieber, Durchfall und manchmal Cholera“,
erzählt sie.

Sauberes Wasser für ihre Familie zu beschaffen war enorm
schwierig. Täglich war Halima drei Stunden lang unterwegs, um Wasser
aus einem Fluss zu holen – mit 20-Liter-Kanistern, in gefährlicher
Nähe zu Krokodilen. Als Krokodile immer öfter Wassersuchende
attackierten, hob Halima eine kleine Grube aus, aus der sie Wasser
schöpfte. „Das Wasser war nicht sauber, aber es war das Einzige, das
wir hatten.“

Ein Dach, sauberes Wasser – ein neuer Anfang

Um Familien wie Halimas zu unterstützen, errichtete CARE,
finanziert von der Europäischen Union, in der Gemeinde temporäre
Unterkünfte und installierte eine Wasserstelle. Halima profitiert von
beidem. „Jetzt haben meine Kinder einen sicheren Platz zum Schlafen.
Ein Haus und sauberes Wasser zu haben, hat unser Leben verändert. Ich
kann kochen, waschen und für meine Familie mit Würde sorgen.“ Das
Projekt von CARE umfasst neben Unterkünften und Wasserversorgung auch
die Verteilung von Paketen mit Hygieneartikeln und Kochutensilien.
Frauen und Mädchen, die Gewalt und sexuelle Ausbeutung erlebt haben,
werden in eigens eingerichteten Schutzräumen psychosozial betreut.

Die Lage für vertriebene Familien bleibt weiterhin angespannt und
der humanitäre Bedarf hoch. Gleichzeitig erschweren
Zugangsbeschränkungen und die anhaltende Unsicherheit eine schnelle
und umfassende Hilfe. Hinzu kommen Extremwetterereignisse: Starke
Regenfälle haben kürzlich Halimas Ernte zerstört – ein Problem, mit
dem die gesamte Region kämpft. Trotz der Herausforderungen blickt
Halima nach vorne: „Mein größter Traum ist, dass meine Kinder gesund
aufwachsen und zur Schule gehen können. Ich hoffe, dass die Gewalt
eines Tages aufhört, damit wir wieder in Frieden leben können.“

Das Projekt wird von CARE, Save the Children und Norwegian
People’s Aid sowie lokalen Partnern umgesetzt, von der Europäischen
Union gefördert und läuft bis Ende April 2026.