St. Pölten (OTS) – Die aktuelle Diskussion rund um die Zukunft der
Sonderschulen hat
erneut an Fahrt aufgenommen. Der Niederösterreichische
Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund (NÖAAB) spricht sich dabei
klar für den Erhalt dieses bewährten Bildungssystems aus und betont,
dass die individuelle beste Förderung im Mittelpunkt stehen muss.
„Für uns ist das Wohl der Kinder wichtiger als irgendwelche
Ideologien. Es braucht sowohl inklusive Bildungsangebote als auch
Sonderschulen – eine Einheitslösung wird den unterschiedlichen
Bedürfnissen der Kinder nicht gerecht“, betont NÖAAB-Landesobfrau
Christiane Teschl-Hofmeister.
Bereits im Jahr 2017 hat der NÖAAB mit einer Petition zum Erhalt
der Sonderschulen ein starkes Zeichen gesetzt. Mehr als 11.000
Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher unterstützten damals
dieses Anliegen.
Aktuell besuchen rund 119.000 Schülerinnen und Schüler die
allgemeine Pflichtschule in Niederösterreich, mehr als 6.000 davon
mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Etwa die Hälfte dieser Kinder
wird in Sonderschulen unterrichtet – ein klares Zeichen dafür, dass
diese Schulform weiterhin eine zentrale Rolle im Bildungssystem
einnehmen muss.
Auch aus Sicht der Lehrkräfte sind Sonderschulen unverzichtbar.
Die Vorsitzende der NÖ Landeslehrer Claudia Andre hebt hervor, dass
insbesondere Kinder mit hohem Förderbedarf von kleineren Klassen,
individueller Betreuung und speziellen Lehrplänen profitieren. Die
Lehrerinnen und Lehrer verfügen über eine fundierte Ausbildung in
Sonderpädagogik und kennen dadurch spezifische Methoden, um bei
Lernschwierigkeiten oder körperlichen Beeinträchtigungen zu
unterstützen. Darüber hinaus bieten Sonderschulen spezielle
Programme, die auf Berufsausbildung oder Tagesstruktur vorbereiten
und die Übergangsquote in den Arbeitsmarkt dadurch erhöhen.
„Inklusion ist harte Arbeit für unsere Lehrerinnen und Lehrer, es
braucht Menschen, die das können und das wollen. Deshalb fordere ich
die Rückkehr zum 2015 abgeschafften Sonderpädagogik-Studium“, so
Andre.
Zudem berichten betroffene Eltern und Pädagoginnen aus eigener
Erfahrung, dass ihre Kinder in Sonderschulen besser unterstützt
werden. Spezielle Rahmenbedingungen ermöglichen gezielte Förderung,
stabile Beziehungsarbeit und ein stressfreieres Lernumfeld. Die
Kleingruppen in der Sonderschule nehmen Schülerinnen und Schülern
viel Stress da in diesen Klassen zwei Lehrkräfte für wenige Kinder
viel mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung aufbringen können. Deshalb
sind wir für den Erhalt der Sonderschule und für die Wahlfreiheit der
Eltern ohne Zwang und Bevormundung.
Der NÖAAB fordert daher:
– den Erhalt und die Weiterentwicklung der Sonderschulen
– den gezielten Ausbau inklusiver Modelle, wo diese sinnvoll und
umsetzbar sind
– Individuelle Förderung anstatt pauschaler Lösungen für alle Kinder
mit Förderbedarf
– die Sicherstellung der Wahlfreiheit für Eltern ohne Zwang
– Wiedereinführung einer eigenständigen sonderpädagogischen
Lehrerausbildung
– Genügend Ressourcen für Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf
„Wir setzen uns weiterhin für das bestehende duale System ein,
das beiden Ansätzen gerecht wird. Dafür benötigt es ausreichend
Personal, passende Infrastruktur und fachliche Kompetenz“, so Teschl-
Hofmeister abschließend.





