Wien (OTS) – Im aktuellen Gesundheitsbericht der strategischen
Gesundheitsversorgung der Stadt Wien erfolgt eine Bestandsaufnahme
der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden in Wien. Der
multidisziplinär verfasste Bericht stützt sich auf verschiedene
Quellen und Methoden: neben Ergebnissen der wissenschaftlichen
Literatur wurden auf Basis verfügbarer Daten auch eigene Analysen
durchgeführt. Das Kernstück bilden jedoch Interviews mit
Professionist*innen unterschiedlicher Gesundheitsberufe sowie mit
direkt betroffenen Patient*innen. Die Ableitung von
Handlungsempfehlungen fand unter wissenschaftlicher Begleitung und
Moderation in Workshops mit Mediziner*innen, Pflegekräften sowie
Vertreter*innen aus Sozialversicherung, Forschung und Stadtverwaltung
statt. Die teilnehmenden Fachexpert*innen sind Mitglieder des „Wiener
Wundnetzes“, eines Netzwerkes, das eine flächendeckende Vernetzung
spezialisierter Wundzentren und Ambulanzen mit zahlreichen
Primärversorgungseinheiten (PVE), der medizinischen Hauskrankenpflege
und der Gesundheitspolitik ermöglicht. Begleitend wurde eine
Informationsbroschüre für Behandler*innen im niedergelassenen Bereich
erstellt – sie gibt Empfehlungen zur Wundversorgung, einen kompakten
Überblick über bestehende Angebote und soll eine zielgerichtete
Zuweisung von Patient*innen ermöglichen.
Der „Wiener Wundbericht“ zeigt auf, dass chronische Wunden weit
verbreitet sind und eine oft unterschätzte Erkrankung mit zahlreichen
physischen, psychischen und auch sozialen Folgen. Dazu zählen
Schmerzen und eingeschränkte Mobilität, aber auch soziale Isolation,
Schamgefühle und eine verringerte Lebensqualität der Betroffenen. Die
Ursache für die Entstehung chronischer Wunden sind meist
Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus, die periphere arterielle
Verschlusskrankheit (pAVK) oder Venenerkrankungen, demnach müssen
Prävention und multikausale Therapie im Zentrum der Versorgung
stehen. Die Versorgung von Wunden verlagert sich zunehmend vom
stationären in den ambulanten (oder spitalsambulanten) Bereich,
jedoch sind die Amputationszahlen aufgrund von Komplikationen bei
langandauernden Wunderkrankungen bisher nicht gesunken.
„Chronische Wunden erfordern eine strukturierte,
multidisziplinäre Versorgung und klare Zuweisungspfade – insbesondere
im zunehmend ambulanten Setting“, erklärt Dr. Alexander Pötscher,
Mitglied des Wiener Wundnetzes. „Trotz hoher Expertise der einzelnen
Berufsgruppen gilt es, Prozesse weiter zu standardisieren und die
Zusammenarbeit an den Schnittstellen konsequent zu stärken. Durch
eine koordinierte Netzwerkarbeit können Komplikationen reduziert und
die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig verbessert werden.“
Das Wiener Wundnetz wird im Rahmen der Wiener Landeszielsteuerung
umgesetzt. Es ist eine gemeinsame Errungenschaft von ÖGK, SVS, BVAEB
und KFA mit dem Wiener Gesundheitsfonds. Aus Sicht der ÖGK stellt das
Wundnetzwerk ein erfolgreiches Modell für eine abgestufte Versorgung
dar und zeigt außerordentlich gut, wie multidisziplinäre
Zusammenarbeit über verschiedene Versorgungsstufen und Berufsgruppen
hinweg gelingen kann. Regelmäßige Netzwerktreffen, kontinuierlicher
Austausch und das Verständnis für die jeweiligen Arbeitsrealitäten
stärken das Miteinander und rücken das gemeinsame Ziel einer
qualitativ hochwertigen Patient*innenversorgung in den Mittelpunkt.
Die anfänglich höheren Kosten durch die neu geschaffenen
extramuralen Wundzentren können langfristig durch ein schnelleres
Abheilen chronischer Wunden, eine damit verbundene geringere
Inanspruchnahme medizinischer Leistungen sowie den wirtschaftlich
sinnvollen Einsatz von Verbandstoffen kompensiert werden.
Agnes Streissler-Führer, Vorsitzende des Landesstellenausschusses
der ÖGK, betont: „Das Wiener Wundnetz bedeutet für Patientinnen und
Patienten einen spürbaren Gewinn an Lebensqualität durch eine
fachgerechte und kontinuierliche medizinische Versorgung, klare
Zuständigkeiten sowie gut funktionierende Übergänge zwischen den
Versorgungsebenen.“
Aus den Gesprächen und Workshops mit Betroffenen und dem
Gesundheitsfachpersonal haben sich konkrete Handlungsempfehlungen
ergeben. Sie fokussieren auf klare Zuweisungspfade und die
verbesserte Zusammenarbeit an den Schnittstellen. Weitere
entscheidende Faktoren sind die Stärkung der Gesundheitskompetenz,
niedrigschwellige Informationsangebote (mehrsprachig, barrierefrei)
und einheitliche Qualitätsstandards. Die Orientierung im
Gesundheitssystem soll für Patient*innen verbessert werden. Eine
weitere essenzielle Maßnahme ist die Verbesserung der Datengrundlage
zu chronischen Wunden. Es fehlen verlässliche Prävalenzzahlen sowie
ein zentrales Wundregister, wodurch die Planung von Angeboten und die
Evaluation dieser erschwert wird. Ebenso weist der Gesundheitsbericht
auf die Notwendigkeit von psychosozialer Begleitung und Peer-
Angeboten für einen nachhaltigen Behandlungserfolg hin.
„Ich begrüße ausdrücklich, dass sich seit der Erstellung des
Berichts bereits eine erste, an die Wiener Gesundheitsförderung (WiG)
angebundene Selbsthilfegruppe konstituiert hat“, ergänzt Stadtrat
Peter Hacker. „Der Wiener Wundbericht zeigt klar: Wir haben mit dem
Wiener Wundnetz eine wichtige Grundlage geschaffen. Jetzt geht es
darum, diese Arbeit dauerhaft abzusichern, Zugänge zu den Angeboten
zu vereinfachen und Prozesse zu standardisieren. Nur so können wir
Leid verringern und unnötige Amputationen vermeiden. Ich danke den
Teilnehmer*innen des Wiener Wundnetzes, der wissenschaftlichen
Begleitung und dem Team der strategischen Gesundheitsversorgung der
Stadt Wien für die effiziente Zusammenarbeit. Durch den Beitrag aller
Beteiligten entstand aus unterschiedlichen Blickwinkeln diese
wertvolle Analyse der Wundversorgung in Wien.“
Wiener Wundbericht kostenlos downloaden unter:
https://wien.gv.at/spezial/wienerwundbericht





