Wien (OTS) – Die 1976 erstmalig in Österreich zugelassene
FSME*-Impfung ist eine
beispiellose Erfolgsgeschichte. Erst 2025 zeigte eine Studie, dass
Tausende schwere Krankheits- und Dutzende Todesfälle durch sie
verhindert werden konnten. Dennoch nehmen die ursprünglich sehr hohe
Durchimpfungsrate sowie der Anteil jener, die sich regelmäßig
auffrischen lassen, seit einigen Jahren laufend ab, obwohl das
Infektionsrisiko nach wie vor gegeben ist. Der Klimawandel hat
mittlerweile auch dazu geführt, dass Zecken sogar im Winter aktiv
sind. Das wirkt sich wiederum auf das Infektionsrisiko aus. Die
aktuellen Impfempfehlungen wurden bereits entsprechend angepasst.
Zwtl.: Erster Impfstoff vor 50 Jahren zugelassen
Dass Österreich die FSME*-Impfung extrem erfolgreich eingeführt
hat, ist unbestritten. 1976 wurde erstmals eine Zulassung für einen
FSME-Impfstoff an die damalige Immuno AG erteilt. „ Die hohe
Durchimpfungsrate von ursprünglich etwa 80 % verdanken wir jährlichen
Awareness-Kampagnen kombiniert mit vergünstigten Impfstoffen ab dem
Jahr 1981. Damit wurden die Impfraten von Ländern mit vergleichbarer
Inzidenz bei Weitem übertroffe n“, berichtet Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in
Maria Paulke-Korinek, PhD, DTM, Leiterin Abteilung für Impfwesen,
BMASGPK. Dr. Albrecht Prieler, Kinderarzt und Impfreferent der
Ärztekammer Burgenland ergänzt: „ Außerdem ist die Zecke als
Überträgerin etwas Greifbares. Obwohl das Virus, das sie überträgt,
nicht sichtbar ist, wirkt bereits die Zecke selbst abschreckend. “
Zwtl.: Kleiner Stich, große Wirkung
Was die FSME-Impfung tatsächlich leisten kann, zeigt eine 2025
veröffentlichte heimische Studie. „ Unseren Berechnungen zufolge
konnte die FSME-Impfung mehr als 10.000 Hospitalisierungen, davon
4.000 mit schweren Verläufen wie einer Entzündung des Gehirns oder
des Rückenmarks abwenden. Außerdem konnten 80 Todesfälle vermieden
werden “, erläutert Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Judith Aberle, MD vom
Zentrum für Virologie der MedUni Wien die Ergebnisse. Ihr Fazit: „
Ohne Impfung hätten fast fünfmal so viele Menschen im Spital
behandelt werden müssen. “ Diese stellten aber nur die Spitze des
Eisberges dar. Insgesamt sei die Anzahl der verhinderten Fälle
vermutlich deutlich höher.
Zwtl.: FSME-Infektionsrisiko nach wie vor gegeben
„ Ungeimpfte Personen können sich allerdings noch heute – genau
wie vor Einführung der FSME-Impfung – durch einen Zeckenstich mit dem
Virus infizieren. Dass die Mehrzahl der Menschen geimpft ist, ändert
daran – im Unterschied zu Infektionskrankheiten, die von Mensch zu
Mensch übertragen werden – nichts. Das Virus wird durch Zecken
übertragen und deren Durchseuchung hängt von der Population der
Nagetiere wie z. B. Mäusen ab – nicht vom Menschen “, erklärt Priv.-
Doz. Dr. Georg Duscher, Zeckenforscher bei der AGES Tiergesundheit.
Zwtl.: Fallzahlen steigen wieder
„ Dennoch haben wir uns von der ursprünglich sehr hohen
Durchimpfungsrate mittlerweile wieder ein Stück entfernt “, berichtet
Virologin Aberle. „ Damit gibt es wieder mehr Menschen, die nicht
geimpft sind. Gleichzeitig sehen wir, dass die FSME-Fallzahlen seit
einigen Jahren wieder steigen. Im längerfristigen Vergleich sind die
Fallzahlen der letzten Jahre (2017-2025) mit 100 bis über 200
jährlich deutlich höher als jene der Jahre 2006 bis 2016, die bei
rund 50 bis 100 pro Jahr lagen. “ Möglicherweise sei nicht oder nicht
mehr allen bewusst, dass FSME zu den schwersten Viruserkrankungen des
Zentralnervensystems in Europa zähle und zu langwierigen
neurologischen Komplikationen wie z. B. Krampfanfällen, Kopfschmerzen
und dauerhaften Lähmungen führen könne.
Zwtl.: Häufigere Infektionen im Winter möglich
Wie sich der Klimawandel zukünftig auf die Zecken bzw. die
Übertragung von FSME auswirken wird, ist derzeit Gegenstand mehrerer
Hypothesen. „ Eine Variante ist, dass die Zecken im Winter – wenn es
wärmer wird – früher aktiv sind und sich auf Wirtssuche begeben “,
berichtet Duscher. „ Da auch die Wirtstiere vom milderen Winter
beeinflusst werden, werden sich diese vermutlich ebenfalls umstellen.
Somit ist am ehesten davon auszugehen, dass die Wahrscheinlichkeit,
ganzjährig von einer Zecke gestochen zu werden steigt “, ergänzt der
Zeckenforscher.
Zwtl.: Regelmäßige Auffrischungen notwendig
Deswegen empfiehlt das Nationale Impfgremium im aktuellen
Impfplan, sich die Auffrischungsimpfungen bereits vor Beginn der
Zeckensaison im Jänner oder Februar zu holen. „ Wird eine Impfung
versäumt hat bzw. ist es zu längeren Impfabständen gekommen, kann
diese dennoch mit einer einzigen Impfung nachgeholt werden, sofern
bereits mindestens zwei Impfungen im Abstand von maximal 12 Monaten
erfolgt sind “, stellt Paulke-Korinek klar.
Wer sich zum ersten Mal impfen lasse, für den gelte ein
dreiteiliges Grundimmunisierungsschema, bei dem drei Teilimpfungen
innerhalb von 12 Monaten verabreicht werden. Die erste
Auffrischungsimpfung wird drei Jahre nach Abschluss der
Grundimmunisierung notwendig. Die weiteren Auffrischungsimpfungen
alle fünf Jahre bzw. ab dem 60. Lebensjahr alle drei Jahre.
„ Bewährt hat sich außerdem – bei Kindern und Erwachsenen –
mehrere Impfungen miteinander zu koppeln, die ähnliche Intervalle
haben. Das geht z. B. gut bei FSME und der Kombinationsimpfung
Diphtherie, Tetanus und Pertussis (Keuchhusten). Beide haben bei
Personen unter 60 Jahren ein Auffrischungsintervall von fünf Jahren
“, berichtet Prieler aus der Praxis. Das helfe sowohl beim Erinnern
als auch bei der Umsetzung, da nur ein Impftermin nötig sei.
Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, Vizepräsident der
Österreichischen Apothekerkammer, verweist zusätzlich auf die
Unterstützung durch die Apotheken. „ Sie stehen jederzeit als
hilfreiche Anlaufstelle für alle Belange rund um FSME zur Verfügung.
“ Die FSME-Impfstoffe sind derzeit im Rahmen einer Aktion vergünstigt
erhältlich.
*Frühsommer-Meningoenzephalitis





